Klatsch mit Krapf und Krömmelbein

  29.04.03 (RP)

Klatsch mit Krapf und Krömmelbein

Die Missfits machten der Szenekneipe "Dschungel" am Sonntag ihre Aufwartung zum 20. Geburtstag

MOERS. Die Missfits. Wer kennt sie nicht, die beiden scharfzüngigen Klatschtanten aus Oberhausen, vor denen kein Testosteron-Macho gefeit ist. Als "Matta" und "Lisbett" ziehen sie ihre verstorbenen Gatten genüsslich durch den Kakao, und auch sonst gehen sie nicht gerade zimperlich mit dem starken Geschlecht um. Es gab auch Zeiten, da kannte sie noch niemand, da waren die Missfits noch Teil eines fünfköpfigen Frauen-Theaters, das in einer alten, giftverseuchten Fabrikhalle probte, durch die Kneipen tingelte und eines Tages auch auf der Kleinkunstbühne des gerade neu eröffneten Scherpenberger "Dschungels" landete. Der "Dschungel" feiert in diesem Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag, und weil die Missfits ihre Anfänge keineswegs vergessen haben, machten sie am Sonntag Mittag dem Dschungel-Wirt Jona Klein und einem Teil seiner Gäste ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk: Sie kamen und lasen auf der Bühne aus ihren beiden Büchern "Frau Krapf und Frau Krömmelbein" und "Kennze einen, kennze alle". Natürlich beschränkten sie sich dabei nicht nur aufs Lesen, was eigentlich auch niemand erwartet hatte. Wer Gerburg Jahnke und Stephanie Überall schon einmal in Aktion gesehen hat, weiß, dass sie am besten sind, wenn sie miteinander oder auch gegeneinander ihre Mäuler wetzen.

Markenzeichen: Gezänk

Der gehässig-ironische Dialog über Gott und die Welt, über Frauen in der Menopause, Männer im Hormonrausch, dumm-dreiste Journalisten und Riesen-Schlümpfe, die sogar im Urlaub ewig vor der Fernsehkiste sitzen, ist sozusagen ihr Markenzeichen. Und so plauderten sie auch am Sonntag zwischen ihren Texten munter drauf los, oder besser, sie lasen zwischendurch hin und wieder mal einen kurzen Text und nahmen ihn anschließend zum Anlass, munter drauf los zu klönen. So erfuhr das Publikum zum Beispiel, wie ein Kultusminister die Missfits einst von der Mehrwertsteuer-Pflicht befreite, und dass holländische Frauen am liebsten Schokoeier essen. Warum neuerdings immer mehr Menschen begeistert an Kröten lecken, erfuhr man, und wie ein Prüfer des Finanzamtes davon überzeugt werden konnte, dass eine Kabarettistin 300 Strumpfhosen pro Jahr braucht. "Und von wem ist das knallrote Gummiboot?" Da musste selbst Frau Krapf passen. "War das nicht die Valente? Ach nee, die hatte ja das Tretboot in Seenot." "Ich fand das sehr spannend heute", bekannte Stephanie Überall nach der Vorstellung. Gerburg Jahnke nickte: "Aber das hier heute können wir auf keinen Fall täglich machen." Schön, dass auch bekannte Kabarettistinnen hin und wieder mal nostalgische Anwandlungen haben.

JUTTA LANGHOF
zurück