Das Wesentliche wahrnehmen

 
  03.09.05 (RP)

Rubrik Klingelbeutel:
Das Wesentliche wahrnehmen

„Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Dies ist das wohl bekannteste Zitat aus dem „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupery. Das Wesentliche - für den kleinen Prinzen ist dies die Frage nach dem Sinn, die Suche nach Heimat, Liebe und Geborgenheit. Er macht sich auf den (Lebens)weg und setzt sich mit vielen Lebensentwürfen auseinander. Er begegnet dem Geschäftsmann, dem nur Zahlen und Besitz etwas gelten, dem Laternenanzünder, dem ausschließlich die Pflichterfüllung Lebensgrundlage ist, dem Eitlen, der die Qualität seines Lebens an der Bewunderung durch seine Mitmenschen misst. Der kleine Prinz bleibt hartnäckig und beharrlich und bei aller Ungewissheit und zeitweiliger Orientierungslosigkeit zeigt er sich durchgehend gebunden und getragen durch seine Sehnsucht nach tragfähigen Antworten. Diese ausdauernde Suche ist elementar religiös, denn bei „Religion“ gleich welcher Konfession geht es um diese besondere Wahrnehmung des Wesentlichen, um Orientierung und Lebensausrichtung, um Impulse für verantwortungsbewusstes ethisches Handeln und den sensiblen Umgang miteinander, um das Reden über und das Entwickeln von Hoffnung. Am Ende seiner Reise findet der kleine Prinz die Antwort: Liebe. Mit dieser Erkenntnis ist er bereit für die Heimkehr.

GISELA BAMBERGER-ESCHER

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siehe auch: RP vom 7.9.2005
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